Prüfwissen, klar geordnet
Zentrale Begriffe rund um Verifizierungen, Validierungen und Umweltinformationen für Bauprodukte, verständlich erklärt.
Grundlagen
7Eine Critical Review ist die externe, unabhängige fachliche Prüfung einer Ökobilanz, LCA-Methodik oder umweltbezogenen Aussage. Bewertet werden unter anderem Methodik, Datenbasis, Annahmen, Berechnungen, Ergebnisse und deren Nachvollziehbarkeit.
Datenqualität beschreibt, ob verwendete Daten für eine Umweltbewertung geeignet und belastbar sind. Wichtige Kriterien sind Repräsentativität, Aktualität, Vollständigkeit, Konsistenz, Plausibilität und eine nachvollziehbare Dokumentation.
Die Declaration of Performance and Conformity (DoPC) ist die Leistungs- und Konformitätserklärung für ein Bauprodukt. Sie enthält die erklärten Leistungen zu wesentlichen Merkmalen und bestätigt die Konformität mit den geltenden Anforderungen. Auf ihrer Grundlage bringt der Hersteller die CE-Kennzeichnung an und übernimmt damit die Verantwortung dafür, dass das Produkt mit den erklärten Leistungen und den anwendbaren Anforderungen übereinstimmt. Die CE-Kennzeichnung ist kein Qualitätssiegel, sondern eine gesetzlich geregelte Kennzeichnung für den Marktzugang im Europäischen Binnenmarkt.
Eine Environmental Product Declaration ist eine unabhängig geprüfte Typ-III-Umweltdeklaration. Sie stellt quantifizierte Umweltwirkungen eines Produkts über seinen Lebenszyklus transparent und vergleichbar dar und dient als Grundlage für nachhaltiges Bauen, Ausschreibungen und Gebäudeökobilanzen.
Eine Gebäudeökobilanz bewertet die Umweltwirkungen eines Bauwerks über definierte Lebenszyklusphasen. Dafür werden Produktdaten aus EPDs und qualitätsgesicherten Datenbanken mit Mengen, Austauschzyklen und Gebäudeszenarien verknüpft.
Eine Recycled Content Declaration (RCD) ist eine freiwillige und unabhängig geprüfte Herstellererklärung zum Rezyklatanteil in einem Bauprodukt. Sie dokumentiert den recycelten Anteil eines Produktes normenbasiert und nachvollziehbar und macht diese Information für den Markt zugänglich.
Typ-III-Deklarationen stellen quantifizierte, ökobilanzbasierte Umweltinformationen nach festgelegten Regeln bereit. Grundlage einer Typ-III-Umweltdeklaration ist die ISO 14025.
Recht & Nachweise
5Die Bauproduktenverordnung regelt, unter welchen Voraussetzungen Bauprodukte in der EU in Verkehr gebracht werden dürfen. Sie schafft gemeinsame Anforderungen an Sicherheit, Leistung, Umweltinformationen und Vergleichbarkeit und bildet die rechtliche Grundlage für DoPCs und die CE-Kennzeichnung.
Mit der CE-Kennzeichnung erklärt der Hersteller, dass ein Bauprodukt die einschlägigen europäischen Anforderungen erfüllt und die vorgeschriebene Leistungs- und Konformitätsbewertung durchlaufen hat. Sie ist kein Qualitätssiegel, sondern eine Voraussetzung für den Marktzugang.
Ein Europäisches Bewertungsdokument (European Assessment Document, EAD) beschreibt die harmonisierten Bewertungskriterien für ein Bauprodukt, das nicht oder nicht vollständig von einer harmonisierten europäischen Norm erfasst wird. Es bildet die technische Grundlage für die Ausstellung einer Europäischen Technischen Bewertung (ETA).
Eine Europäische Technische Bewertung (European Technical Assessment, ETA) dokumentiert die bewertete Leistung eines Bauprodukts in Bezug auf seine wesentlichen Merkmale. Sie wird auf Grundlage eines Europäischen Bewertungsdokuments (EAD) ausgestellt und eröffnet für Produkte außerhalb oder am Rand harmonisierter Normen einen freiwilligen Weg zur CE-Kennzeichnung.
Eine harmonisierte europäische Norm (hEN) ist eine von einer europäischen Normungsorganisation im Auftrag der Europäischen Kommission erarbeitete Norm. Für Bauprodukte legt sie insbesondere Methoden und Verfahren zur Bewertung wesentlicher Merkmale, zur Qualitätssicherung und zur Deklaration der Leistung fest. Dadurch werden erklärte Produktleistungen europaweit vergleichbar.
Tools & Daten
2Die ÖKOBAUDAT stellt qualitätsgesicherte Datensätze zu Materialien, Bau-, Transport-, Energie- und Entsorgungsprozessen öffentlich bereit. Sie dient vor allem als Referenz- und Veröffentlichungsplattform sowie als Grundlage für Gebäudeökobilanzen, nicht als direkte Datenquelle für Produktökobilanzen.
Software-Tools vereinfachen und standardisieren die Erstellung von EPDs. Je nach Tool berechnen, strukturieren oder übertragen sie Daten; LCA-Tools und EPD-Tools werden für ihren jeweiligen Anwendungsbereich einzeln bewertet.
Programmregeln
4Die IBU-Programmanleitung beschreibt die praktische Umsetzung der Anforderungen im IBU-EPD-Programm. Sie regelt Einreichung, Verifizierung, Veröffentlichung und weitere programmspezifische Abläufe.
PCR Teil A enthält produktgruppenübergreifende methodische Anforderungen an Ökobilanzierung, Datengrundlage, Systemgrenzen und Dokumentation. Er bildet die gemeinsame Grundlage für vergleichbare und nachvollziehbare EPDs.
PCR Teil B ergänzt die allgemeinen Regeln um Anforderungen für eine konkrete Produktgruppe, etwa zu funktioneller Einheit, Lebenszyklusmodulen, Szenarien, technischen Informationen und Nachweisen.
Produktkategorieregeln übersetzen allgemeine Anforderungen in konkrete methodische Vorgaben für einzelne Produktgruppen. Im EPD-Programm bestehen sie typischerweise aus einem allgemeinen PCR Teil A, produktspezifischen PCR Teil B und ergänzenden Programmregeln.
Prüfverfahren
4Akkreditierung ist die formale Anerkennung, dass eine Stelle fachlich kompetent, unparteilich und nach nachvollziehbaren Verfahren arbeitet. Sie schafft Vertrauen in Validierungs- und Verifizierungsentscheidungen.
Notifizierung ist der Vorgang, bei dem ein Staat der Europäischen Kommission und den anderen Mitgliedstaaten mitteilt, dass eine Konformitätsbewertungsstelle für bestimmte gesetzlich geregelte Aufgaben benannt wurde und die dafür geltenden Anforderungen erfüllt. Notifizierte Stellen werden mit ihrem festgelegten Tätigkeitsbereich in der europäischen NANDO-Datenbank veröffentlicht.
Validierung bestätigt unabhängig die Plausibilität einer Aussage über ein zukünftiges Ergebnis oder eine geplante Nutzung. Im DoPC-Kontext betrifft sie beispielsweise wesentliche Umweltmerkmale eines Bauprodukts.
Verifizierung bestätigt unabhängig, dass eine Aussage über bestehende Daten oder Ergebnisse wahrheitsgemäß, nachvollziehbar und regelkonform ist. Sie betrifft etwa die Angaben einer EPD.

